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Warum industrielle Muttern? Die Idee hinter dem Material

  • 15. Juni
  • 2 Min. Lesezeit

Die Frage höre ich oft. Warum Edelstahl oder Messing? Warum kein Silber, kein Gold? Warum industrielle Muttern?


Ich war mit meiner Mutter im Baumarkt. Wir haben unsere Wohnung renoviert. Irgendwo zwischen Farbe und Werkzeug entdeckte ich ein Regal voller Muttern. Groß, sperrig, für die meisten wahrscheinlich hässlich.

Ich blieb stehen.

Seit ich zehn Jahre alt war, habe ich aus kleinen Glasperlen Schmuck gemacht. Diese Muttern hatten dieselbe Qualität: wiederholbar, kombinierbar, mit einer Oberfläche, die das Licht bricht. Ich habe sie gekauft und bin nach Hause gegangen. Die ersten Stücke entstanden aus vernickelten großen Muttern.

asel rakhat journal und loop ring getragen
ASEL RAKHAT Journal und LOOP Ring

Das Material, das trägt

Ich bin Architektin. Die Mutter ist in meiner Welt kein ungewöhnliches Element: sie verbindet Tragwerke, sie sichert, was hält. Als ich begann, Schmuck zu entwerfen, war die Entscheidung für dieses Material keine Provokation. Es war eine Konsequenz.

Die Mutter wurde nicht entworfen, um schön zu sein. Sie existiert, weil sie funktioniert. Wenn man ein Material ohne ästhetische Absicht in etwas Tragbares übersetzt, entsteht eine Spannung, entsteht Ästhetik. Eine Frage. Die Person, die es trägt, wird Teil dieser Frage.


Wiederholung als Gestaltungsprinzip

In der Architektur ist Wiederholung kein Mangel an Einfallsreichtum. Sie ist ein Prinzip. Ein Fenster, das sich zwanzigmal wiederholt, wird zur Fassade. Ein Tragelement, das sich reihum fügt, wird zur Struktur.

Dasselbe passiert mit den Muttern.

Eine einzelne Mutter ist ein Werkzeug. Viele Muttern, präzise ineinandergefügt, werden zu etwas anderem. Zu einem Ring. Zu einem Armband. Zu einem Anhänger. Die Form entsteht nicht trotz der Wiederholung, sondern durch sie.

Das ist das Prinzip, das jedes meiner Stücke trägt.



Schmuck soll schmücken, nicht demonstrieren

Ich glaube, dass Schmuck nie zeigen sollte, wie viel er kostet oder wer man ist. Er soll zeigen, wer man sein möchte.

Coco Chanel hat das vor Jahrzehnten formuliert. Sie hat bewusst auf Edelmetalle verzichtet und Modeschmuck aus unedlen Materialien als eigenständige Designaussage etabliert. Nicht als Imitat von echtem Schmuck, sondern als Haltung: Stil vor Status. Form vor Wert.

Das ist eine Idee, die mich trägt.

Gold, Silber und Platin tragen ein Signal in sich, das ich nicht senden möchte. Edelstahl und Messing tragen keines. Sie stehen für sich, ohne Hierarchie, ohne Versprechen. Das macht sie in meinen Augen freier.


Nachhaltiger und langlebiger als Edelmetalle

Edelstahl und Messing sind keine Kompromisse. Sie sind in vieler Hinsicht die bessere Wahl.

Beide Materialien sind hochgradig recycelbar. Edelstahl gehört zu den am meisten recycelten Materialien weltweit. Messing ebenso. Der Abbau von Gold hingegen ist mit erheblichem Umweltschaden verbunden: Landverwüstung, Quecksilber- und Zyanideinsatz, hoher Wasserverbrauch.


Dazu kommt die Langlebigkeit. Edelstahl oxidiert nicht, läuft nicht an, verändert sich kaum. Messing entwickelt eine Patina, bleibt aber stabil über Jahrzehnte. Ein Stück aus meiner Kollektion ist kein Wegwerfprodukt. Es ist für ein Leben gemacht.


Was das Material über die Trägerin oder den Träger sagt


bold kette und structure necktie getragen
Structure Necktie und Bold Kette

Ich glaube, dass Schmuck immer etwas sagt. Nicht laut. Aber er sagt etwas.

Wer ein Stück aus industriellen Muttern trägt, entscheidet sich bewusst gegen Konvention. Nicht als Rebellion, sondern als Klarheit. Diese Person wählt Form über Dekoration. Struktur über Ornament. Material über Status.

Das ist die Haltung, für die ich entwerfe.

Kein Schmuck für jeden. Schmuck für diejenigen, die wissen, warum sie ihn tragen.




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